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Samariter für eine Kultur des Helfens -

Das Gmünder Rote Kreuz besteht 120 Jahre

Am 26. November feierte das Gmünder Rote Kreuz seinen 120. Geburtstag.

An diesem Tag im Jahre 1891 wurde im Gasthaus „Zum Ritter“ die württembergische 13. Sanitätskolonne vom Roten Kreuz gegründet. Eine Gmünder Zeitung (die Remszeitung) formulierte am 25. November 1891 den Gründungsaufruf so: „Eine Sanitätskolonne hat aber nicht nur den Zweck für die Bedürfnisse eines Kriegs rechtzeitig vorzubereiten, sondern ist auch für FRIEDENSZEITEN (im Original so fett gedruckt!) die beste Gewähr für augenblickliche und entsprechende Hilfeleistung bei Unglücksfällen aller Art.“ Die Ideen des großen Schweizer Christen und Menschenfreundes, des ersten Friedensnobelpreisträgers Henri Dunant, dem Gründer der weltweiten Rotkreuzbewegung und des weltweiten CVJM  und YMCA hatte auch in Schwäbisch Gmünd geistig und organisatorisch Fuß gefasst. Dr. med. Edmund Walter wurde zum Instrukteur und Josef Kraus zum ersten Kolonnenführer gewählt. Im Januar 1892 – knapp zwei Monate später – zählte die Kolonne 100 Mitglieder. Oberbürgermeister Untersee übernahm die Schirmherrschaft. Am 2. Oktober 1892 konnte der Ausbildungsstand bei einer Übung auf dem Marktplatz eindrucksvoll demonstriert werden: ein Foto aus damaliger Zeit zeigt anschaulich die stolzen Rotkreuzler. 

Ausbau 1895-1937

Als am 30. Oktober 1895 der Dampfkessel der Gmünder Wasserwerke explodierte, bewährte sich das Rote Kreuz zum ersten Mal in einem zivilen Katastrophenfall.  Der Ausbau schritt dann zügig voran: 1901 wurde eine Krankentransportabteilung ins Leben gerufen, 1908 ein bespannbarer Krankenwagen angeschafft und 1909 ein Sauerstoffapparat, bei Kriegsausbruch 1914 werden erstmals weibliche Helferinnen ausgebildet,  eine eigene Helferinnenabteilung aber erst 1930. Die erste (Alt-)kleidersammlung erfolgte 1915 für dienstunfähig gewordene Soldaten – und ebenso veranstaltete man1915 eine Solidaritätssammlung  für den türkischen Roten Halbmond!! Während des gesamten Krieges versorgten die Samariter vom Roten Kreuz über 10 000 verwundeten Soldaten, die in 82 Lazarettzügen nach Gmünd kamen.

Noch ein denkwürdiges Ereignis: der erste Krankenkraftwagen – Kosten damals 13 700 Reichsmark – wird im Juni 1925 in Betrieb genommen. Es brannte dann aus unerklärlichen Gründen während eines Fackelzuges am 11. November 1933 (!) im Spital aus. 

Umbau 1938-1945

Sodann begannen die Nationalsozialisten mit der Neuorganisation: Per Reichgesetz vom 9.Dezember 1937 wurden die freiwilligen Sanitätskolonnen aufgelöst und nunmehr Bereitschaften genannt mit je zwei Zügen in Gmünd und je einem in Heubach und Lorch. Nach dem Führerprinzip wurde der Landrat (damals Dr. Max Hoß) zum Kreisführer und Leiter der Kreisstelle. Diese Form bestand bis 1945, als das DRK von den alliierten Siegermächten „als nationalsozialistische Organisation und Hilfsmittel der Wehrmacht“ aufgelöst wurde. Aber inoffiziell bestanden die DRK-Gemeinschaften auf Orts- und Kreisebene weiter und taten ihr segensreiches Werk für die vielen Flüchtlinge, Vertriebenen, Kriegsgefangenen und den sog. „displaced persons“(DPs=Staatenlose), von denen 1947 noch 2900 sich  in der Hardtkaserne befanden.

Wer sonst, wenn nicht das Rote Kreuz, hätte im damaligen Chaos Not lindern und helfen sollen?? Es gab ja keine intakte staatliche Organisation mehr.

Neuanfang 1947

Diesem inoffiziellen Schwebezustand aber wollten nicht nur die Gmünder beenden, d.h. für die Rückkehr zu den Vorkriegsstrukturen mit Freiwilligkeitsprinzip und Vereinsrecht. Am 11. März 1947 war es dann soweit: der Kreisverein vom Roten Kreuz Schwäbisch Gmünd wurde im Gasthaus „Weißer Ochsen“(im „Stumpe“) wiedergegründet. Landrat Konrad Burkhardt (+1978) wurde sein erster Vorsitzender und Dr. med. Willi Langes (+2011)  sein erster Kreisbereitschaftsarzt. Dann ging der Auf-. Und Ausbau Schlag auf Schlag – bis zum heutigen starken Wohlfahrtsverband. Der Friedensdienst wurde ab jetzt die Hauptaufgabe. 1949 begann das Jugendrotkreuz, 1958 der Blutspendedienst, 1962  die Seniorengemeinschaft im DRK . 1967 „sponsort“ Konsul Hermann Walter Sieger zusammen mit der Kreissparkasse und der  Verlegerin der Remszeitung, Rosa Sigg, einen Krankenwagen!! 1968 beginnt die Behindertenarbeit, und das erste Haus in der Josefstraße wird für das neue DRK-Zentrum erworben. Die Aktion „Essen auf Rädern“ startet 1970, und 1977 werden 150 000 Essen ausgeteilt worden sein. Zugleich wird das Notarztsystem eingeführt.   1981 kommt als zusätzlicher Fachdienst zur Bergwacht (seit 1954 im DRK eingegliedert) die Wasserwacht ins DRK. Als „sportlich – kompetent – lebensrettend“  ziehen sie viele junge Menschen an.  1988 wird das „Haus der Sozialarbeit“ (Rechbergstraße 2) in Betrieb genommen. 1989 übergibt Landrat a.D. Dr. Friedrich Röther (+2007) den Kreisvorsitz an den damaligen Rektor der Pädagogischen Hochschule Prof. Dr. Reinhard Kuhnert. 1991 feiert das Gmünder DRK seinen 100. Geburtstag im neuen Stadtgarten. 

Von 1989 bis heute: Modernisierung

Jetzt gab es neue Schwerpunkte. Der Rettungsdienst erhielt eine landesgesetzliche Grundlage und als Hauptfolge eine zentrale Rettungsleitstelle in Aalen für heute ganz Ostwürttemberg (einschließlich Heidenheim).  Die Hilfsfrist wurde auf 15 Minuten festgesetzt. Damit brauchte der Altkreis Gmünd mehr Rettungswachen: eine einzige in Gmünd genügte nicht. So wurde nacheinander zuerst in Eschach (1996), dann in Mutlangen (2003) und in Heubach (2009) gebaut. Ein Stützpunkt für die SEG (=Schnelle Einsatzgruppe) wurde auf dem Gelände der ehemaligen Hardtkaserne eingerichtet. Für den Katastrophenschutz (heute: Bevölkerungsschutz) werden entsprechende Einrichtungen u.a. in Göggingen und Iggingen unterhalten. Seit über 10 Jahren gibt es ein „Kriseninterventionsteam“(KIT), das sich in der „Krise der Seele“ nach einem traumatischen Unfall um die Menschen kümmert.

Das neue Thema der Sozialarbeit wurde die (ambulante und stationäre) Pflege. In Lindach wird ein Betreutes-Wohnen betrieben, und mit dem Pflegestützpunkt an der Waldstetter brücke haben die ambulanten Pflegedienste ein neues Beratungszentrum. Das neueste Engagement betrifft die Demenzberatung und die Einrichtung von familienentlastenden Betreuungsgruppen. Neu sind auch die aus einer EU-Förderung hervorgegangenen haushaltsnahen Dienste, besser bekannt als „Service-plus, die vor allem von den Älteren gern in Anspruch genommen werden. Mit dem vom Bundesfamilienministerium (von der Leyen)  geförderten Mehrgenerationenhaus kam eine „Eltern-Baby-Gruppe“ hinzu.

Was noch? Aus der alten Kleiderkammer wurde ein schmucker „Second-Hand-Laden“.  Unter den zahlreichen, sehr erfolgreichen Kampagnen in jüngster Zeit sind drei hervorzuheben: der „Kampf dem Herztod“ (Defibrillatoren in allen Kreisgemeinden), „Herzkind Iwan“ aus der Ukraine und die Kampagne für einen Baby-Notarztwagen (NAW).

Im Jubiläumsjahr 2011 gab es zwei Geschenke: das Mehrgenerationenhaus in Heubach wurde in Betrieb genommen (Juli), und der erste Spatenstich für den Neubau eines DRK-Hauses gegenüber dem Margeritenhospital (Oktober) ist erfolgt. Dann werden alle Dienste unter einem Dach sein. Die 900 Aktiven und die 10 000 Fördermitglieder wissen, wofür sie sich engagieren. „Der wahre Reichtum eines Menschen ist das, was er anderen Gutes getan hat“. Das Beste aber ist Leben retten, schützen, fördern.  


Prof. Dr. Reinhard Kuhnert, DRK Kreisvorsitzender, im November 2011